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Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
Seite
329
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lockt zu werden: woselbst, wie sie fürchteten, ihre Philo-sophen-Tugenden wie Schnee in der Sonne wegschmelzenwürden.Wachs in den Ohren war damals beinaheBedingung des Philosophirens; ein ächter Philosoph hörtedas Leben nicht mehr, insofern Leben Musik ist, erleugnete die Musik des Lebens, es ist ein alterPhilosophen-Aberglaube, dass alle Musik Sirenen - Musikist. Nun möchten wir heute geneigt sein, gerade um-gekehrt zu urtheilen (was an sich noch eben so falschsein könnte): nämlich dass die Ideen schlimmere Ver-führerinnen seien als die Sinne, mit allem ihrem kaltenanämischen Anscheine und nicht einmal trotz diesem An-scheine, sie lebten immer vomBlute des Philosophen,sie zehrten immer seine Sinne aus, ja, wenn man unsglauben will, auch seinHerz. Diese alten Philosophenwaren herzlos: Philosophien war immer eine Art Vam-pyrismus. Fühlt ihr nicht an solchen Gestalten, wie nochder Spinozas, etwas tief Änigmatisches und Unheim-liches? Seht ihr das Schauspiel nicht, das sich hier ab-spielt, das beständige Blässer-werden, die immeridealischer ausgelegte Entsinnlichung? Ahnt ihr nicht imHintergründe irgend eine lange verborgene Blutaus-saugerin, welche mit den Sinnen ihren Anfang machtund zuletzt Knochen und Geklapper übrig behält, übriglässt? ich meine Kategorien, Formeln, Worte (denn,man vergebe mir,, das was von Spinoza übrig blieb,amor intellectualis dei, ist ein Geklapper, nichts mehr!was ist amor, was deus, wenn ihnen jeder Tropfen Blutfehlt? . . .) In summa: aller philosophische Idealismuswar bisher Etwas wie Krankheit, wo er nicht, wie imFalle Platos, die Vorsicht einer überreichen und gefähr-lichen Gesundheit, die Furcht vor übermächtigenSinnen, die Klugheit eines klugen Sokratikers war.