lockt zu werden: woselbst, wie sie fürchteten, ihre Philo-sophen-Tugenden wie Schnee in der Sonne wegschmelzenwürden. „Wachs in den Ohren“ war damals beinaheBedingung des Philosophirens; ein ächter Philosoph hörtedas Leben nicht mehr, insofern Leben Musik ist, erleugnete die Musik des Lebens, — es ist ein alterPhilosophen-Aberglaube, dass alle Musik Sirenen - Musikist. — Nun möchten wir heute geneigt sein, gerade um-gekehrt zu urtheilen (was an sich noch eben so falschsein könnte): nämlich dass die Ideen schlimmere Ver-führerinnen seien als die Sinne, mit allem ihrem kaltenanämischen Anscheine und nicht einmal trotz diesem An-scheine, — sie lebten immer vom „Blute“ des Philosophen,sie zehrten immer seine Sinne aus, ja, wenn man unsglauben will, auch sein „Herz“. Diese alten Philosophenwaren herzlos: Philosophien war immer eine Art Vam-pyrismus. Fühlt ihr nicht an solchen Gestalten, wie nochder Spinoza’s, etwas tief Änigmatisches und Unheim-liches? Seht ihr das Schauspiel nicht, das sich hier ab-spielt, das beständige Blässer-werden —, die immeridealischer ausgelegte Entsinnlichung? Ahnt ihr nicht imHintergründe irgend eine lange verborgene Blutaus-saugerin, welche mit den Sinnen ihren Anfang machtund zuletzt Knochen und Geklapper übrig behält, übriglässt? — ich meine Kategorien, Formeln, Worte (denn,man vergebe mir,, das was von Spinoza übrig blieb,amor intellectualis dei, ist ein Geklapper, nichts mehr!was ist amor, was deus, wenn ihnen jeder Tropfen Blutfehlt? . . .) In summa: aller philosophische Idealismuswar bisher Etwas wie Krankheit, wo er nicht, wie imFalle Plato’s, die Vorsicht einer überreichen und gefähr-lichen Gesundheit, die Furcht vor übermächtigenSinnen, die Klugheit eines klugen Sokratikers war. —
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