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Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
Seite
325
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Leiden und Leidende voraus. Aber es giebt zweierleiLeidende, einmal, die an der Überfülle des LebensLeidenden, welche eine dionysische Kunst wollen undebenso eine tragische Ansicht und Einsicht in das Leben, und sodann die an der Verarmung des LebensLeidenden, die Ruhe, Stille, glattes Meer, Erlösung vonsich durch die Kunst und Erkenntniss suchen, oder aberden Rausch, den Krampf, die Betäubung, den Wahnsinn.Dem Doppel-Bedürfnisse der Letzteren entspricht alleRomantik in Künsten und Erkenntnissen, ihnen entsprach(und entspricht) ebenso Schopenhauer als Richard Wag-ner, um jene berühmtesten und ausdrücklichsten Roman-tiker zu nennen, welche damals von mir missverstandenwurden übrigens nicht zu ihrem Nachtheile, wie manmir in aller Billigkeit zugestehn darf. Der Reichste anLebensfülle, der dionysische Gott und Mensch, kann sichnicht nur den Anblick des Fürchterlichen und Frag-würdigen gönnen, sondern selbst die fürchterliche Thatund jeden Luxus von Zerstörung, Zersetzung, Verneinung;bei ihm erscheint das Böse, Unsinnige und Hässlichegleichsam erlaubt, in Folge eines Überschusses vonzeugenden, befruchtenden Kräften, welcher aus jederWüste noch ein üppiges Fruchtland zu schaffen im Standeist. Umgekehrt würde der Leidendste, Lebensärmste ammeisten die Milde, Friedlichkeit, Güte nöthig haben, imDenken und im Handeln, womöglich einen Gott, derganz eigentlich ein Gott für Kranke, einHeiland wäre;ebenso auch die Logik, die begriffliche Verständlichkeit desDaseins denn die Logik beruhigt, giebt Vertrauen,kurz eine gewisse warme furchtabwehrende Enge undEinschliessung in optimistische Horizonte. Dergestaltlernte ich allmählich Epikur begreifen, den Gegensatzeines dionysischen Pessimisten, ebenfalls denChristen,