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Unser Nebeneinander. — Müssen wir es uns nichteingestehn, wir Künstler, dass es eine unheimliche Ver-schiedenheit in uns giebt, dass unser Geschmack undandrerseits unsre schöpferische Kraft auf eine wunderlicheWeise für sich stehn, für sich stehn bleiben und ein Wachs-thum für sich haben, — ich will sagen ganz verschiedneGrade und tenipi von Alt, Jung, Reif, Mürbe, Faul? Sodass zum Beispiel ein Musiker zeitlebens Dinge schaffenkönnte, die Dem, was sein verwöhntes Zuhörer-Ohr, Zu-hörer-FIerz schätzt, schmeckt, vorzieht, widersprechen:
— er brauchte noch nicht einmal um diesen Widerspruchzu wissen! Man kann, wie eine fast peinlich-regelmässigeErfahrung zeigt, leicht mit seinem Geschmack über denGeschmack seiner Kraft hinauswachsen, selbst ohne dassletztere dadurch gelähmt und am Hervorbringen gehindertwürde; es kann aber auch etwas Umgekehrtes geschehn,
— und diess gerade ist es, worauf ich die Aufmerksamkeitder Künstler lenken möchte. Ein Beständig-Schaffender,eine „Mutter“ von Mensch, im grossen Sinne des Wortes,ein Solcher, der von Nichts als von Schwangerschaftenund Kindsbetten seines Geistes mehr weiss und hört,der gar keine Zeit hat, sich und sein Werk zu bedenken,zu vergleichen, der auch nicht mehr Willens ist, seinenGeschmack noch zu üben, und ihn einfach vergisst, näm-lich stehn, liegen oder fallen lässt, — vielleicht bringt einSolcher endlich Werke hervor, denen er mit seinemUrtheile längst nicht mehr gewachsen ist: so dasser über sie und sich Dummheiten sagt, — sagt und denkt.Diess scheint mir bei fruchtbaren Künstlern beinahe dasnormale Verhältniss, — Niemand kennt ein Kind schlechterals seine Eltern — Und es gilt sogar, um ein ungeheures
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