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Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
Seite
322
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es Wagners Theorie gewesen istdas Drama ist derZweck, die Musik ist immer nur dessen Mittel, seinePraxis dagegen war, von Anfang bis zu Ende,dieAttitüde ist der Zweck, das Drama, auch die Musik istimmer nur ihr Mittel. Die Musik als Mittel zur Ver-deutlichung, Verstärkung, Verinnerlichung der dramatischenGebärde und Schauspieler-Sinnenfälligkeit; und das Wag-nerische Drama nur eine Gelegenheit zu vielen drama-tischen Attitüden! Er hatte, neben allen anderen In-stincten, die commandirenden Instincte eines grossenSchauspielers, in Allem und Jedem: und, wie gesagt,auch als Musiker. Diess machte ich einstmals einemrechtschaffnen Wagnerianer klar, mit einiger Mühe; undich hatte Gründe, noch hinzuzufügenseien Sie doch einwenig ehrlicher gegen sich selbst: wir sind ja nicht imTheater! Im Theater ist man nur als Masse ehrlich; alsEinzelner lügt man, belügt man sich. Man lässt sichselbst zu Hause, wenn man ins Theater geht, man ver-zichtet auf das Recht der eignen Zunge und Wahl, aufseinen Geschmack, selbst auf seine Tapferkeit, wie mansie zwischen den eignen vier Wänden gegen Gott undMensch hat und übt. In das Theater bringt Niemanddie feinsten Sinne seiner Kunst mit, auch der Künstlernicht, der für das Theater arbeitet: da ist man Volk,Publicum, Heerde, Weib, Pharisäer, Stimmvieh, Demo-krat, Nächster, Mitmensch, da unterliegt noch das per-sönlichste Gewissen dem nivellirenden Zauber dergrösstenZahl, da wirkt die Dummheit als Lüsternheit und Con-tagion, da regiert derNachbar, da wird man Nach-bar . . . (Ich vergass zu erzählen, was mir mein auf-geklärter Wagnerianer auf die physiologischen Einwändeentgegnete:Sie sind also eigentlich nur nicht gesundgenug für unsere Musik?)