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Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
Seite
305
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schönere Ruinen? — und überwachsen mit grossem undkleinem Unlcraute. Die Kirche ist diese Stadt des Unter-gangs: wir sehen die religiöse Gesellschaft des Christen-thums bis in die untersten Fundamente erschüttert, —der Glaube an Gott ist umgestürzt, der Glaube an daschristlich-asketische Ideal kämpft eben noch seinen letztenKampf. Ein solches lang und gründlich gebautes Werkwie das Christenthum — es war der letzte Römerbau!— konnte freilich nicht mit Einem Male zerstört werden;alle Art Erdbeben hat da rütteln, alle Art Geist, die an-bohrt, gräbt, nagt, feuchtet, hat da helfen müssen. Aberwas das Wunderlichste ist: Die, welche sich am meistendarum bemüht haben, das Christenthum zu halten, zu er-halten, sind gerade seine besten Zerstörer geworden, —die Deutschen. Es scheint, die Deutschen verstehen dasWesen einer Kirche nicht. Sind sie dazu nicht geistiggenug? nicht misstrauisch genug? Der Bau der Kircheruht jedenfalls auf einer südländischen Freiheit undFreisinnigkeit des Geistes, und ebenso auf einem süd-ländischen Verdachte gegen Natur, Mensch und Geist, —er ruht auf einer ganz andren Kenntniss des Menschen,Erfahrung vom Menschen, als der Norden gehabt hat.Die Lutherische Reformation war in ihrer ganzen Breitedie Entrüstung der Einfalt gegen etwas „Vielfältiges“,um vorsichtig zu reden, ein grobes biederes Missver-ständniss, an dem Viel zu verzeihen ist, — man begriffden Ausdruck einer siegreichen Kirche nicht und sahnur Corruption, man missverstand die vornehme Skepsis,jenen Luxus von Skepsis und Toleranz, welchen sichjede siegreiche selbstgewisse Macht gestattet . . . Manübersieht heute gut genug, wie Luther in allen cardinalenFragen der Macht verhängnissvoll kurz, oberflächlich,unvorsichtig angelegt war, vor Allem als Mann aus dem

Nietzsche, Werke Band V.

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