303
vollständig und in alle ihre Tiefe hinein gehört zu werden.Was Schopenhauer selbst auf diese Frage geantwortethat, war — man vergebe es mir — etwas Voreiliges,Jugendliches, nur eine Abfindung, ein Stehen- undSteckenbleiben in eben den christlich-asketischen Moral-Perspectiven, welchen, mit dem Glauben an Gott, derGlaube gekündigt war . . . Aber er hat die Fragegestellt — als ein guter Europäer, wie gesagt, undnicht als Deutscher. — Oder hätten etwa die Deutschen,wenigstens mit der Art,. in welcher sie sich der Scliopen-hauerischen Frage bemächtigten, ihre innere Zugehörig-keit und Verwandtschaft, ihre Vorbereitung, ihr Be-dürfniss nach seinem Problem bewiesen? Dass nachSchopenhauer auch in Deutschland — übrigens spätgenug! — über das von ihm aufgestellte Problem ge-dacht und gedruckt worden ist, reicht gewiss nicht aus,zu Gunsten dieser engeren Zugehörigkeit zu entscheiden;man könnte selbst die eigenthümliche Ungeschickt-heit dieses Nach-Schopenhauerischen Pessimismus da-gegen geltend machen, — die Deutschen benahmen sichersichtlich nicht dabei wie in ihrem Elemente. Hiermitspiele ich ganz und gar nicht auf Eduard von Hartmannan; im Gegentheil, mein alter Verdacht ist auch heutenoch nicht gehoben, dass er für uns zu geschickt ist,ich will sagen, dass er als arger Schalk von Anbeginnsich vielleicht nicht nur über den deutschen Pessimismuslustig gemacht hat, —■ dass er am Ende etwa gar esden Deutschen testamentarisch „vermachen“ könnte, wieweit man sie selbst, im Zeitalter der Gründungen, hatzum Narren haben können. Aber ich frage: soll manvielleicht den alten Brummkreisel Bahnsen den Deutschenzu Ehren rechnen, der sich mit Wollust sein Leben langum sein realdialektisches Elend und „persönliches Pech“