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Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
Seite
302
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wenn er Jemanden hier zögern und Umschweife machensah. An dieser Stelle liegt seine ganze Rechtschaffen-heit: der unbedingte redliche Atheismus ist eben dieVoraussetzung seiner Problemstellung, als ein endlichund schwer errungener Sieg des europäischen Gewissens,als der folgenreichste Akt einer zweitausendjährigenZucht zur Wahrheit, welche am Schlüsse sich die Lügeim Glauben an Gott verbietet . . . Man sieht, was eigent-lich über den christlichen Gott gesiegt hat: die christ-liche Moralität selbst, der immer strenger genommeneBegriff der Wahrhaftigkeit, die Beichtväter-Feinheit deschristlichen Gewissens, übersetzt und sublimirt zum wissen-schaftlichen Gewissen, zur intellectuellen Sauberkeit umjeden Preis. Die Natur ansehn, als ob sie ein Beweisfür die Güte und Obhut eines Gottes sei; die Geschichteinterpretiren zu Ehren einer göttlichen Vernunft, alsbeständiges Zeugniss einer sittlichen Weltordnung undsittlicher Schlussabsichten; die eignen Erlebnisse aus-legen, wie sie fromme Menschen lange genug ausge-legt haben, wie als ob Alles Fügung, Alles Wink,Alles dem Fleil der Seele zu Liebe ausgedacht und ge-schickt sei: das ist nunmehr vorbei, das,hat das Gewissengegen sich, das gilt allen feineren Gewissen als unan-ständig, unehrlich, als Lügnerei, Femininismus, Schwach-heit, Feigheit, mit dieser Strenge, wenn irgend womit,sind wir eben gute Europäer und Erben von Euro-pas längster und tapferster Selbstüberwindung. Indemwir die christliche Interpretation dergestalt von unsstossen und ihrenSinn wie eine Falschmünzerei ver-urtheilen, kommt nun sofort auf eine furchtbare Weisedie Schopenhauerische Frage zu uns: hat denndas Dasein überhaupt einen Sinn? jene Frage,die ein paar Jahrhunderte brauchen wird, um auch nur