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Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
Seite
297
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kennen wollte: Stände, Zünfte, erbliche Gewerbs-Vorrechtehaben mit Hülfe dieses Glaubens es zu Stande gebracht,jene Ungeheuer von breiten Gesellscliafts-Thürmen auf-zurichten, welche das Mittelalter auszeichnen, und denenjedenfalls Eins nachzurühmen bleibt: Dauerfähigkeit

( und Dauer ist auf Erden ein AVerth ersten Ranges!).Aber es giebt umgekehrte Zeitalter, die eigentlich demo-kratischen, wo man diesen Glauben mehr und mehr ver-lernt, und ein gewisser kecker Glaube und Gesichtspunktdes Gegentheils in den Vordergrund tritt, jener Athener-Glaube, der in der Epoche des Perikies zuerst bemerktwird, jener Amerikaner - Glaube von heute, der immermehr auch Europäer-Glaube werden will: wo der Einzelneüberzeugt ist, ungefähr Alles zu können, ungefähr jederRolle gewachsen zu sein, wo Jeder mit sich versucht,improvisirt, neu versucht, mit Lust versucht, wo alleNatur auf hört und Kunst wird . . . Die Griechen, erstin diesen Rollen-Glauben einen Artisten-Glauben,wenn man will eingetreten, machten, wie bekannt,Schritt für Schritt eine wunderliche und nicht in jedemBetracht nachahmenswerthe Verwandlung durch: siewurden wirklich Schauspieler; als solche bezau-berten sie, überwanden sie alle AVelt und zuletzt selbstdieAVeltüberwinderin (denn der Graeculus histrio hatRom besiegt, und nicht, wie die Unschuldigen zu sagenpflegen, die griechische Cultur . . .). Aber was ich fürchte,was man heute schon mit Händen greift, falls man Lusthätte, darnach zu greifen, wir modernen Menschen sindganz schon auf dem gleichen Wege; und jedes Mal,wenn der Mensch anfängt zu entdecken, inwiefern er eineRolle spielt und inwieweit er Schauspieler sein kann,wird er Schauspieler . . . Damit kommt dann eine neueFlora und Fauna von Menschen herauf, die in festeren,