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Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
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ernst und wiederkäuend zuschaut, — davon haben ge-rade die Philosophen sich immer am fernsten gefühlt,wahrscheinlich weil sie dazu nicht „Volk“ genug, nichtLandpfarrer genug waren. Auch werden wohl sie geradeam spätesten daran glauben lernen, dass das Volk Etwasvon Dem verstehn dürfte, was ihm am fernsten liegt,von der grossen Leidenschaft des Erkennenden, derbeständig in der Gewitterwolke der höchsten Problemeund der schwersten A^erantwortlichkeiten lebt, lebenmuss (also ganz und gar nicht zuschauend, ausserhalb,gleichgültig, sicher, objectiv . . .). Das Volk verehrt eineganz andre Art Mensch, wenn es seinerseits sich einIdeal des „Weisen“ macht, und hat tausendfach Rechtdazu, gerade dieser Art Mensch mit den besten Wortenund Ehren zu huldigen: das sind die milden, ernst-ein-fältigen und keuschen Priester-Naturen und was ihnenverwandt ist, — Denen gilt das Lob in jener Volks-Ehr-furcht vor der Weisheit. Und wem hätte das Volk auchGrund, dankbarer sich zu erweisen als diesen Männern,die zu ihm gehören und aus ihm kommen, aber wie Ge-weihte, Ausgelesene, seinem Wohl Geopferte — sieselber glauben sich Gott geopfert —, vor denen es un-gestraft sein Herz ausschütten, an die es seine Heimlich-keiten, seine Sorgen und Schlimmeres los werden kann(— denn der Mensch, der „sich mittheilt“, wird sich selberlos; und wer „bekannt“ hat, vergisst). Hier gebietet einegrosse Nothdurft: es bedarf nämlich auch für den seeli-schen Unrath der Abzugsgräben und der reinlichen rei-nigenden Gewässer drin, es bedarf rascher Ströme derLiebe und starker demüthiger reiner Herzen, die zu einemsolchen Dienste der nichtöffentlichen Gesundheitspflegesich bereit machen und opfern — denn es ist eineOpferung, ein Priester ist und bleibt ein Menschenopfer ...