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Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
Seite
277
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wo die Denker auch von sich selbst ausruhten, auf-athmeten, auf lebten. Ich sehe Niemanden, der eineKritik der moralischen Werthurtheile gewagt hätte; ichvermisse hierfür selbst die Versuche der wissenschaft-lichen Neugierde, der verwöhnten versucherischen Psy-chologen- und Historiker-Einbildungskraft, welche leichtein Problem vorwegnimmt und im Fluge erhascht, ohnerecht zu wissen, was da erhascht ist. Kaum dass icheinige spärliche Ansätze ausfindig gemacht habe, es zueiner Entstehungsgeschichte dieser Gefühle undWerthschätzungen zu bringen (was etwas Anderes ist alseine Kritik derselben, und noch einmal etwas Anderesals die Geschichte der ethischen Systeme): in einem ein-zelnen Falle habe ich Alles gethan, um eine Neigungund Begabung für diese Art Historie zu ermuthigenumsonst, wie mir heute scheinen will. Mit diesen Moral-Historikern (namentlich Engländern) hat es wenig aufsich: sie stehen gewöhnlich selbst noch arglos unter demCömmando einer bestimmten Moral und geben, ohne eszu wissen, deren Schildträger und Gefolge ab; etwa mitjenem noch immer so treuherzig nachgeredeten Volks-Aberglauben des christlichen Europa, dass das Charak-teristicum der moralischen Handlung im Selbstlosen,Selbstverleugnenden, Sich-Selbst-Opfernden, oder im Mit-gefühle, im Mitleiden belegen sei. Ihr gewöhnlicherFehler in der Voraussetzung ist, dass sie irgend einenconsensus der Völker, mindestens der zahmen Völker,über gewisse Sätze der Moral behaupten und darausderen unbedingte Verbindlichkeit, auch für dich und mich,schliessen; oder dass sie umgekehrt, nachdem ihnen dieWahrheit aufgegangen ist, dass bei verschiednen Völkerndie moralischen Schätzungen nothwendig verschiedensind, einen Schluss auf UnVerbindlichkeit aller Moral