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Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
Seite
262
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wird, augenblicklich unsre eigne Sache zu lassen undzuzuspringen. Ich weiss es: es giebt hundert anständigeund rühmliche Arten, um mich von meinem Wegezu verlieren, und wahrlich höchstmoralische Arten!Ja, die Ansicht der jetzigen Mitleid-Moralprediger gehtsogar dahin, das eben Diess und nur Diess allein mo-ralisch sei: sich dergestalt von seinem Wege zuverlieren und dem Nächsten beizuspringen. Ich weisses ebenso gewiss: ich brauche mich nur dem Anblickeeiner wirklichen Noth auszuliefern, so bin ich auch ver-loren! Und wenn ein leidender Freund zu mir sagte:Siehe, ich werde bald sterben; versprich mir doch,mit mir zu sterben ich verspräche es, ebenso wiemich der Anblick jenes für seine Freiheit kämpfendenBergvölkchens dazu bringen würde, ihm meine Hand undmein Leben anzubieten: um einmal aus guten Gründenschlechte Beispiele zu wählen. Ja, es giebt eine heimlicheVerführung sogar in alle diesem Mitleid - Erweckendenund Hülfe - Rufenden: eben unsereigner Weg ist

eine zu harte und anspruchsvolle Sache und zu fernevon der Liebe und Dankbarkeit der Anderen, wirentlaufen ihm gar nicht ungerne, ihm und unserm eigen-sten Gewissen, und flüchten uns unter das Gewissender Anderen und hinein in den lieblichen Tempel derReligion des Mitleidens. Sobald jetzt irgend ein Kriegausbricht, so bricht damit immer auch gerade in denEdelsten eines Volkes eine freilich geheim gehalteneLust aus: sie werfen sich mit Entzücken der neuen Ge-fahr des Todes entgegen, weil sie in der Aufopferungfür das Vaterland endlich jene lange gesuchte Erlaub-niss zu haben glauben die Erlaubniss, ihrem Zieleauszuweichen: der Krieg ist für sie ein Umwegzum Selbstmord, aber ein Umweg mit gutem Gewissen.