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„Gewissen“ unter allen Umständen nicht mehr Pflichtund Gewissen benennen: die Einsicht darüber, wie über-haupt jemals moralische Urtheile entstandensind, würde dir diese pathetischen Worte verleiden, —so wie dir schon andre pathetische Worte, zum Beispiel„Sünde“, „Seelenheil“, „Erlösung“ verleidet sind. — Undnun rede mir nicht vom kategorischen Imperativ, meinFreund! — diess Wort kitzelt mein Ohr, und ich musslachen, trotz deiner so ernsthaften Gegenwart: ich ge-denke dabei des alten Kant, der, zur Strafe dafür, dasser „das Ding an sich“ — auch eine sehr lächerliche Sache!— sich erschlichen hatte, vom „kategorischen Impe-rativ“ beschlichen wurde und mit ihm im Herzen sichwieder zu „Gott“, „Seele“, „Freiheit“ und „Unsterblich-keit“ zurück verirrte, einem Fuchse gleich, der sichin seinen Käfig zurückverirrt: — und seine Kraftund Klugheit war es gewesen, welche diesen Käfig er-brochen hatte! — Wie? Du bewunderst den kate-gorischen Imperativ in dir? Diese „Festigkeit“ deinessogenannten moralischen Urtheils? Diese „Unbedingt-heit“ des Gefühls „so wie ich, müssen hierin Alle ur-theilen“? Bewundere vielmehr deine Selbstsucht darin!Und die Blindheit, Kleinlichkeit und Anspruchslosigkeitdeiner Selbstsucht! Selbstsucht nämlich ist es, sein Ur-theil als Allgemeingesetz zu empfinden; und eine blinde,kleinliche und anspruchslose Selbstsucht hinwiederum,weil sie verräth, dass du dich selber noch nicht entdeckt,dir selber noch kein eigenes, eigenstes Ideal geschaffenhast: — diess nämlich könnte niemals das eines Anderensein, geschweige denn Aller, Aller! — — Wer noch ur-theilt „so müsste in diesem Falle Jeder handeln“, istnoch nicht fünf Schritt weit in der Selbsterkenntniss ge-gangen: sonst würde er wissen, dass es weder gleiche