Druckschrift 
Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
Seite
257
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Handlungen giebt, noch geben kann, dass jede Hand-lung, die gethan worden ist, auf eine ganz einzige undunwiederbringliche Art gethan wurde, und dass es ebensomit jeder zukünftigen Handlung stehen wird, dass alleVorschriften des Handelns sich nur auf die gröblicheAussenseite beziehen (und selbst die innerlichsten undfeinsten Vorschriften aller bisherigen Moralen), dassmit ihnen wohl ein Schein der Gleichheit, aber ebennur ein Schein erreicht werden kann, dass jedeHandlung, beim Hinblick oder Rückblick auf sie, eineundurchdringliche Sache ist und bleibt, dass unsreMeinungen vongut,edel,gross durch unsre Hand-lungen nie bewiesen werden können, weil jede Hand-lung unerkennbar ist, dass sicherlich unsre Meinungen,Werthschätzungen und Gütertafeln zu den mächtigstenHebeln im Räderwerk unsrer Handlungen gehören, dassaber für jeden einzelnen Fall das Gesetz ihrer Mechanikunnachweisbar ist. Beschränken wir uns also auf dieReinigung unsrer Meinungen und Werthschätzungen undauf die Schöpfung neuer eigner Gütertafeln:über denmoralischen Werth unsrer Handlungen aberwollen wir nicht mehr grübeln! Ja, meine Freunde! InHinsicht auf das ganze moralische Geschwätz der Einenüber die Andern ist der Ekel an der Zeit! Moralisch zuGericht sitzen, soll uns wider den Geschmack gehen!Überlassen wir diess Geschwätz und diesen üblen Ge-schmack Denen, welche nicht mehr zu thun haben, alsdie Vergangenheit um ein kleines Stück weiter durch dieZeit zu schleppen, und welche selber niemals Gegenwartsind, den Vielen also, den Allermeisten! Wir aberwollen Die werden, die wir sind, die Neuen, dieEinmaligen, die Unvergleichbaren, die Sich-selber-Gesetz-gebenden, die Sich-selber-Schaffenden! Und dazu müssen

Nietzsche, Werke Band V. 17