— 236 —
langen Faden zu spinnen erlaubt, thut wohl, sichepikureisch einzurichten; alle Menschen der geistigenArbeit haben es bisher gethan! Ihnen wäre es nämlichder Verlust der Verluste, die feine Reizbarkeit ein-zubüssen und die stoische harte Haut mit Igelstachelndageg'en geschenkt zu bekommen.
3 ° 7 -
Zu Gunsten der Kritik. — Jetzt erscheint dirEtwas als Irrthum, das du ehedem als eine Wahrheitoder Wahrscheinlichkeit geliebt hast: du stösst es vondir ab und wähnst, dass deine Vernunft darin einenSieg erfochten habe. Aber vielleicht war jener Irrthumdamals, als du noch ein Andrer warst — du bist immerein Andrer —, dir ebenso nothwendig wie alle’ deinejetzigen „Wahrheiten“, gleichsam als eine Haut, die dirVieles verhehlte und verhüllte, was du noch nicht sehendurftest. Dein neues Leben hat jene Meinung für dichgetödtet, nicht deine Vernunft: du brauchst sie nichtmehr, und nun bricht sie in sich selbst zusammen, unddie Unvernunft kriecht wie ein Gewürm aus ihr an’sLicht. Wenn wir Kritik üben, so ist es nichts Willkür-liches und Unpersönliches, — es ist, wenigstens sehr oft,ein Beweis davon, dass lebendige treibende Kräfte inuns da sind, welche eine Rinde abstossen. Wir ver-neinen und müssen verneinen, weil Etwas in uns lebenund sich bejahen will, Etwas, das wir vielleicht nochnicht kennen, noch nicht sehen! — Diess zu Gunstender Kritik.
308.
Die Geschichte jedes Tages. — Was machtbei dir die Geschichte jedes Tages? Siehe deine Ge-