Druckschrift 
Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
Seite
234
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diess nicht! Entsage! Überwinde dich! ich bin da-gegen jenen Moralen gut, welche mich antreiben, Etwaszu thun und wieder zu thun und von früh bis Abendund Nachts davon zu träumen, und an gar Nichts zudenken als: diess gut zu thun, so gut als es eben mirallein möglich ist! Wer so lebt, von Dem fällt fort-während Eins um das Andre ab, was nicht zu einemsolchen Leben gehört: ohne Hass und Widerwillen siehter heute Diess und morgen Jenes von sich Abschiednehmen, den vergilbten Blättern gleich, welche jedes be-wegtere Lüftchen dem Baume entführt: oder er sieht garnicht, dass es Abschied nimmt, so streng blickt seinAuge nach seinem Ziele und überhaupt vorwärts, nichtseitwärts, rückwärts, abwärts.Unser Thun soll bestimmen,was wir lassen: indem wir thun, lassen wir so gefälltes mir, so lautet mein placitum. Aber ich will nichtmit offnen Augen meine Verarmung anstreben, ich magalle negativen Tugenden nicht, Tugenden, deren Wesendas Verneinen und Sichversagen selber ist.

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Selbstbeherrschung. Jene Morallehrer, welchezuerst und zuoberst dem Menschen anbefehlen, sich inseine Gewalt zu bekommen, bringen damit eine eigen-thümliche Krankheit über ihn: nämlich eine beständigeReizbarkeit bei allen natürlichen Regungen und Nei-gungen, und gleichsam eine Art Juckens. Was auchfürderhin ihn stossen, ziehen, anlocken, an treiben mag,von innere oder von aussen her immer scheint esdiesem Reizbaren, als ob jetzt seine Selbstbeherrschungin Gefahr gerathe: er darf sich keinem Instincte, keinemfreien Flügelschlage mehr anvertrauen, sondern steht