diess nicht! Entsage! Überwinde dich!“ — ich bin da-gegen jenen Moralen gut, welche mich antreiben, Etwaszu thun und wieder zu thun und von früh bis Abendund Nachts davon zu träumen, und an gar Nichts zudenken als: diess gut zu thun, so gut als es eben mirallein möglich ist! Wer so lebt, von Dem fällt fort-während Eins um das Andre ab, was nicht zu einemsolchen Leben gehört: ohne Hass und Widerwillen siehter heute Diess und morgen Jenes von sich Abschiednehmen, den vergilbten Blättern gleich, welche jedes be-wegtere Lüftchen dem Baume entführt: oder er sieht garnicht, dass es Abschied nimmt, so streng blickt seinAuge nach seinem Ziele und überhaupt vorwärts, nichtseitwärts, rückwärts, abwärts. „Unser Thun soll bestimmen,was wir lassen: indem wir thun, lassen wir“ — so gefälltes mir, so lautet mein placitum. Aber ich will nichtmit offnen Augen meine Verarmung anstreben, ich magalle negativen Tugenden nicht, Tugenden, deren Wesendas Verneinen und Sichversagen selber ist.
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Selbstbeherrschung. — Jene Morallehrer, welchezuerst und zuoberst dem Menschen anbefehlen, sich inseine Gewalt zu bekommen, bringen damit eine eigen-thümliche Krankheit über ihn: nämlich eine beständigeReizbarkeit bei allen natürlichen Regungen und Nei-gungen, und gleichsam eine Art Juckens. Was auchfürderhin ihn stossen, ziehen, anlocken, an treiben mag,von innere oder von aussen her — immer scheint esdiesem Reizbaren, als ob jetzt seine Selbstbeherrschungin Gefahr gerathe: er darf sich keinem Instincte, keinemfreien Flügelschlage mehr anvertrauen, sondern steht