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Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
Seite
151
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Grundirrthümern alles empfindenden Daseins. Jenefeinere Redlichkeit und Skepsis hatte überall dort ihreEntstehung, wo zwei entgegengesetzte Sätze auf. dasLeben anwendbar erschienen, weil sich beide mit denGrundirrthümern vertrugen, wo also über den höherenoder geringeren Grad des Nutzens für das Leben ge-stritten werden konnte; ebenfalls dort, wo neue Sätzesich dem Leben zwar nicht nützlich, aber wenigstensauch nicht schädlich zeigten, als Äusserungen eines in-tellectuellen Spieltriebes, und unschuldig und glücklichgleich allem Spiele. Allmählich füllte sich das mensch-liche Gehirn mit solchen Urtheilen und Überzeugungen,es entstand in diesem Knäuel Gährung, Kampf undMachtgelüst. Nützlichkeit und Lust nicht nur, sondernjede Art von Trieben nahm Partei in dem Kampfe umdieWahrheiten; der intellectuelle Kampf wurde Be-schäftigung, Reiz, Beruf, Pflicht, Würde: das Erkennenund das Streben nach dem Wahren ordnete sich endlichals Bedürfniss in die andern Bedürfnisse ein. Von daan war nicht nur der Glaube und die Überzeugung, son-dern auch die Prüfung, die Leugnung, das Misstrauen,der Widerspruch eine Macht, allebösen Instinctewaren der Erkenntniss untergeordnet und in ihren Dienstgestellt und bekamen den Glanz des Erlaubten, Ge-ehrten, Nützlichen und zuletzt das Auge und die Un-schuld des Guten. Die Erkenntniss wurde also zueinem Stück Leben selber und als Leben zu einer immer-fort wachsenden Macht: bis endlich die Erkenntnisse undjene uralten Grundirrthümer auf einander stiessen, beideals Leben, beide als Macht, beide in dem selben Menschen.Der Denker: das ist jetzt das Wesen, in dem der Triebzur Wahrheit und jene lebenerhaltenden Irrthümer ihrenersten Kampf kämpfen, nachdem auch der Trieb zur