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Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
Seite
150
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Sinne und jede Art von Empfindung überhaupt, arbei-teten mit jenen uralt einverleibten Grundirrthümern.Mehr noch: jene Sätze wurden selbst innerhalb der Er-kenntniss zu den Normen, nach denen manwahr undunwahr bemass bis hinein in die entlegensten Ge-genden der reinen Logik. Also: die Kraft der Erkennt-nisse liegt nicht in ihrem Grade von Wahrheit, sondernin ihrem Alter, ihrer Einverleibtheit, ihrem Charakter alsLebensbedingung. Wo Leben und Erkennen in Wider-spruch zu kommen schienen, ist nie ernstlich gekämpftworden; da galt Leugnung und Zweifel als Tollheit.Jene Ausnahme-Denker, wie die Eleaten, welche trotz-dem die Gegensätze der natürlichen Irrthümer aufstelltenund festhielten, glaubten daran, dass es möglich sei,dieses Gegentheil auch zu leben: sie erfanden den Weisenals den Menschen der Unveränderlichkeit, Unpersönlich-keit, Universalität der Anschauung, als Eins und Alleszugleich, mit einem eignen Vermögen für jene umge-kehrte Erkenntniss; sie waren des Glaubens, dass ihreErkenntniss zugleich das Princip des Lebens sei. Umdiess Alles aber behaupten zu können, mussten sie sichüber ihren eignen Zustand täuschen: sie mussten sichUnpersönlichkeit und Dauer ohne Wechsel andichten,das Wesen des Erkennenden verkennen, die Gewalt derTriebe im Erkennen leugnen und überhaupt die Vernunftals völlig freie, sich selbst entsprungene Activität fassen;sie hielten sich die Augen dafür zu, dass auch sie imWidersprechen gegen das Gültige, oder im Verlangennach Ruhe oder Alleinbesitz oder Herrschaft zu ihrenSätzen gekommen waren. Die feinere Entwicklung derRedlichkeit und der Skepsis machte endlich auch dieseMenschen unmöglich; auch ihr Leben und Urtheilenergab sich als abhängig von den uralten Trieben und