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Klang der deutschen Sprache war im Mittelalter, undnamentlich nach dem Mittelalter, tief bäuerisch und ge-mein: er hat sich in den letzten Jahrhunderten etwas ver-edelt, hauptsächlich dadurch, dass man sich genöthigt fand,so viel französische, italiänische und spanische Klängenachzuahmen, und zwar gerade von Seiten des deutschen(und österreichischen) Adels, der mit der Muttersprachesich durchaus nicht begnügen konnte. Aber für Mon-taigne oder gar Racine muss trotz dieser Übung Deutschunerträglich gemein geklungen haben: und selbst jetztklingt es, im Munde der Reisenden, mitten unter italiäni-schem Pöbel, noch immer sehr roh, wälderhaft, heiser,wie aus räucherigen Stuben und unhöflichen Gegendenstammend. — Nun bemerke ich, dass jetzt wieder unterden ehemaligen Bewunderern der Kanzleien ein ähnlicherDrang nach Vornehmheit des Klanges um sich greift,und dass die Deutschen einem ganz absonderlichen„Klangzauber“ sich zu fügen anfangen, der auf die Dauereine wirkliche Gefahr für die deutsche Sprache werdenkönnte, — denn abscheulichere Klänge sucht man inEuropa vergebens. Etwas Höhnisches, Kaltes, Gleich-gültiges, Nachlässiges in der Stimme: das klingt jetzt denDeutschen „vornehm“ — und ich höre den guten Willenzu dieser Vornehmheit in den Stimmen der jungenBeamten , Lehrer, Frauen, Kaufleute; ja die kleinenMädchen machen schon dieses Offizierdeutsch nach. Dennder Offizier, und zwar der preussische, ist der Erfinderdieser Klänge: dieser selbe Offizier, der als Militär undMann des Fachs jenen bewunderungswürdigen Tact derBescheidenheit besitzt, an dem die Deutschen allesammtzu lernen hätten (die deutschen Professoren und Musi-kanten eingerechnet!). Aber sobald er spricht und sichbewegt, ist er die unbescheidenste und geschmackwidrigste