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Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
Seite
138
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erwäge man noch, ob nicht jene jetzt immer mehr umsich greifende Verachtung der Melodie und Verkümme-rung des melodischen Sinns bei Deutschen als eine de-mokratische Unart und Nachwirkung der Revolution zuverstehen ist. Die Melodie hat nämlich eine solche offeneLust an der Gesetzlichkeit und einen solchen Wider-willen bei allem Werdenden, Ungeformten, Willkürlichen,dass sie wie ein Klang aus der alten Ordnung dereuropäischen Dinge und wie eine Verführung und Rück-führung zu dieser klingt.

104.

Vom Klange der deutschen Sprache. Manweiss, woher das Deutsch stammt, welches seit ein paarJahrhunderten das allgemeine Schriftdeutsch ist. DieDeutschen mit ihrer Ehrfurcht vor Allem, was vom Hofekam, haben sich geflissentlich die Kanzleien zum Mustergenommen, in Allem, was sie zu schreiben hatten, alsonamentlich in ihren Briefen, Urkunden, Testamenten undso weiter. Kanzleimässig schreiben, das war hof- undregierungsmässig schreiben, das war etwas Vornehmes,gegen das Deutsch der Stadt gehalten, in der man geradelebte. Allmählich zog man den Schluss und sprach auchso, wie man schrieb, so wurde man noch vornehmer,in den Wortformen, in der Wahl der Worte und Wen-dungen und zuletzt auch im Klange: man affectirte einenhöfischen Klang, wenn man sprach, und die Affectationwurde zuletzt Natur. Vielleicht hat sich etwas ganzGleiches nirgendswo ereignet: die Übergewalt des

Schreibestils über die Rede, und die Ziererei und Vornehm-thuerei eines ganzen Volkes als Grundlage einer gemein-samen nicht mehr dialektischen Sprache. Ich glaube, der