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Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
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bei Luther, auch bei Schopenhauer. Eine Geschwätzig-keit aus einem zu grossen Vorrath von Begriffsformeln,wie bei Kant. Eine Geschwätzigkeit aus Lust an immerneuen Wendungen der selben Sache: man findet sie beiMontaigne. Eine Geschwätzigkeit hämischer Naturen:wer Schriften dieser Zeit liest, wird sich hierbei zweierSchriftsteller erinnern. Eine Geschwätzigkeit aus Lustan guten Worten und Sprachformen: nicht selten inder Prosa Goethes. Eine Geschwätzigkeit aus reinemWohlgefallen an Lärm und Wirrwarr der Empfindungen:zum Beispiel bei Carlyle.

98.

Zum Ruhme Shakespeares. Das Schönste,was ich zum Ruhme Shakespeares, des Menschen, zusagen wüsste, ist diess: er hat an Brutus geglaubt undkein Stäubchen Misstrauens auf diese Art Tugend ge-worfen! Ihm hat er seine beste Tragödie geweihtsie wird jetzt immer noch mit einem falschen Namengenannt, ihm und dem furchtbarsten Inbegriff hoherMoral. Unabhängigkeit der Seele! das gilt es hier!Kein Opfer kann da zu gross sein: seinen liebstenFreund selbst muss man ihr opfern können, und sei ernoch dazu der herrlichste Mensch, die Zierde der Welt,das Genie ohne Gleichen, wenn man nämlich dieFreiheit als die Freiheit grosser Seelen liebt, und durchihn dieser Freiheit Gefahr droht: derart muss Shake-speare gefühlt haben! Die Llöhe, in welche er Cäsarstellt, ist die feinste Ehre, die er Brutus erweisen konnte:so erst erhebt er dessen inneres Problem ins Ungeheure,und ebenso die seelische Kraft, welche diesen Knotenzu zerhauen vermochte! Und war es wirklich diepolitische Freiheit, welche diesen Dichter zum Mitgefühl