Verräther? Es zeigt, wo unsre Gewichte liegen undwofür wir keine Gewichte besitzen.
89.
Jetzt und ehedem. — Was liegt an aller unsrerKunst der Kunstwerke, wenn jene höhere Kunst, dieKunst der Feste, uns abhanden kommt! Ehemals warenalle Kunstwerke an der grossen Feststrasse der Mensch-heit aufgestellt, als Erinnerungszeichen und Denkmälerhoher und seliger Momente. Jetzt will man mit denKunstwerken die armen Erschöpften und Kranken vonder grossen Leidensstrasse der Menschheit bei Seitelocken, für ein lüsternes Augenblickchen; man bietetihnen einen kleinen Rausch und Wahnsinn an.
90.
Lichter und Schatten. — Die Bücher und Nieder-schriften sind bei verschiedenen Denkern Verschiedenes:der Eine hat im Buche die Lichter zusammengebracht,die er geschwind aus den Strahlen einer ihm aufleuch-tenden Erkenntniss wegzustehlen und heimzutragenwusste; ein Anderer giebt nur die Schatten, die Nach-bilder in Grau und Schwarz von Dem wieder, was Tagszuvor in seiner Seele sich aufbaute.
91.
Vorsicht. — Alfieri hat, wie bekannt, sehr vielgelogen, als er den erstaunten Zeitgenossen seine Le-bensgeschichte erzählte. Er log aus jenem Despotismusgegen sich selber, den er zum Beispiel in der Art be-