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Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
Seite
108
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Kunst, sich vor sich selberin Scene zu setzen. Soallein kommen wir über einige niedrige Details an unshinweg! Ohne jene Kunst würden wir Nichts als Vorder-grund sein und ganz und gar im Banne jener Optikleben, wrnlche das Nächste und Gemeinste als ungeheuergross und als die Wirklichkeit an sich erscheinen lässt. Vielleicht giebt es ein Verdienst ähnlicher Art anjener Religion, welche die Sündhaftigkeit jedes einzelnenMenschen mit dem Vergrösserungsglase ansehen hiessund aus dem Sünder einen grossen, unsterblichen Ver-brecher machte: indem sie ewige Perspectiven um ihnbeschrieb, lehrte sie den Menschen, sich aus der Ferneund als etwas Vergangenes, Ganzes sehen.

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Reiz der Unvollkommenheit. Ich sehe hiereinen Dichter, der, wie so mancher Mensch, durch seineUnvollkommenheiten einen höheren Reiz ausübt, als durchalles Das, was sich unter seiner Hand rundet und voll-kommen gestaltet, ja er hat den Vortheil und denRuhm viel mehr von seinem letzten Unvermögen als vonseiner reichen Kraft. Sein Werk spricht es niemalsganz aus, was er eigentlich aussprechen möchte, waser gesehen haben möchte: es scheint, dass er denVorgeschmack einer Vision gehabt hat, und niemals sieselber: aber eine ungeheure Lüsternheit nach dieserVision ist in seiner Seele zurückgeblieben, und aus ihrnimmt er seine ebenso ungeheure Beredtsamkeit desVerlangens und Heisshungers. Mit ihr hebt er Den,welcher ihm zuhört, über sein Werk und alleWerkehinaus und giebt ihm Flügel, um so hoch zu steigen,wie Zuhörer nie sonst steigen: und so, selber zu Dich-