gebrauchen — es bedarf der tugendhaften Dumm-heit', es bedarf unerschütterlicher Tactschläger deslangsamen Geistes, damit die Gläubigen des grossenGesammtglaubens bei einander bleiben und ihren Tanzweitertanzen: es ist eine Nothdurft ersten Ranges, welchehier gebietet und fordert. Wir Andern sind dieAusnahme und die Gefahr, — wir bedürfen ewigder Vertheidigung! — Nun, es lässt sich wirklich etwaszu Gunsten der Ausnahme sagen, vorausgesetzt, dasssie nie Regel werden will.
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Das Thier mit gutem Gewissen. — Das Ge-meine in Alledem, was im Süden Europa’s gefällt — seidiess nun die italiänische Oper (zum Beispiel Rossini’sund Bellini’s) oder der spanische Abenteuer-Roman (unsin der französischen Verkleidung des Gil Blas am bestenzugänglich) — bleibt mir nicht verborgen, aber es be-leidigt mich nicht, ebensowenig als die Gemeinheit, derman bei einer Wanderung durch Pompeji und im Grundeselbst beim Lesen jedes antiken Buches begegnet: wo-her kommt diess? Ist es, dass hier die Scham fehlt, unddass alles Gemeine so sicher und seiner gewiss auftritt,wie irgend etwas Edles, Liebliches und Leidenschaft-liches in der selben Art Musik oder Roman? „Das Thierhat sein Recht wie der Mensch: so mag es frei herum-laufen, und du, mein lieber Mitmensch, bist auch diessThier noch, trotz Alledem!“ — das- scheint mir die Moralder Sache und die Eigenheit der südländischen Huma-nität zu sein. Der schlechte Geschmack hat sein Rechtwie der gute, und sogar ein Vorrecht vor ihm, falls erdas grosse Bedürfniss, die sichere Befriedigung und