Druckschrift 
Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
Seite
97
Einzelbild herunterladen
 

97

samkeit der Welt sich hier eingeschifft? Sitzt meinGlück selber an diesem stillen Platze, mein glücklicheresIch, mein zweites verewigtes Selbst? Noch nicht todt,und doch auch nicht mehr lebend? Als ein geister-haftes , stilles, schauendes, gleitendes, schwebendesMittelwesen? Dem Schiffe gleichend, welches mit seinenweissen Segeln wie ein ungeheurer Schmetterling überdas dunkle Meer hinläuft! Ja! Über das Dasein hin-laufen! Das ist es! Das wäre es! Es scheint, derLärm hier hat mich zum Phantasten gemacht? Allergrosse Lärm macht, dass wir das Glück in die Stilleund Ferne setzen. Wenn ein Mann inmitten seinesLärms steht, inmitten seiner Brandung von Würfen undEntwürfen: da sieht er auch wohl stille zauberhafteWesen an sich vorübergleiten, nach deren Glück undZurückgezogenheit er sich sehnt, es sind dieFrauen. Fast meint er, dort bei den Frauen wohnesein besseres Selbst: an diesen stillen Plätzen werdeauch die lauteste Brandung zur Todtenstille, und dasLeben selber zum Traume über das Leben. Jedoch!Jedoch! Mein edler Schwärmer, es giebt auch auf demschönsten Segelschiffe so viel Geräusch und Lärm, undleider so viel kleinen erbärmlichen Lärm! Der Zauberund die mächtigste Wirkung der Frauen ist, um dieSprache der Philosophen zu reden, eine Wirkung in dieFerne, eine actio in distans: dazu gehört aber, zuerstund vor Allem Distanz!

61.

Zu Ehren der Freundschaft. Dass das Ge-fühl der Freundschaft dem Alterthum als das höchsteGefühl galt, höher selbst als der gerühmteste Stolz des

Nietzsche, Werke BandV.

7