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Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
Seite
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in einer freiwilligen Übung des Schmerzes, ein ihmnothwendiges Mittel seiner Erhaltung; damals erzogman seine Umgebung zum Ertragen des Schmerzes,damals fügte man gern Schmerz, zu und sah das Furcht-barste dieser Art über Andere ergehen, ohne ein anderesGefühl als das der eigenen Sicherheit. Was die Nothder Seele aber betrifft, so sehe ich mir jetzt jedenMenschen darauf an, ob er sie aus Erfahrung oder Be-schreibung kennt; ob er diese Kenntniss zu heuchelndoch noch für nöthig hält, etwa als ein Zeichen derfeineren Bildung, oder ob er überhaupt an grosse Seelen-schmerzen im Grunde seiner Seele nicht glaubt und esihm bei Nennung derselben ähnlich ergeht wie bei Nen-nung grosser körperlicher Erduldungen: wobei ihm seineZahn- und Magenschmerzen einfallen. So aber scheintes mir bei den Meisten jetzt zu stehen. Aus der all-gemeinen Ungeübtheit im Schmerz beiderlei Gestalt undeiner gewissen Seltenheit des Anblicks eines Leidendenergiebt sich nun eine wichtige Folge: man hasst jetztden Schmerz viel mehr als frühere Menschen, und redetihm viel übler nach als je, ja man findet schon das Vor-handensein des Schmerzes als eines Gedankens kaumerträglich und macht dem gesammten _ Dasein eine Ge-wissenssache und einen Vorwurf daraus. Das Auftauchenpessimistischer Philosophien ist durchaus nicht das Merk-mal grosser, furchtbarer Nothstände; sondern diese Frage-zeichen am Werthe alles Lebens werden in Zeiten ge-macht, wo die Verfeinerung und Erleichterung des Da-seins bereits die unvermeidlichen Mückenstiche der Seeleund des Leibes als gar zu blutig und bösartig befindetund in der Armuth an wirklichen Schmerz-Erfahrungenam liebsten schon quälende allgemeine Vorstel-lungen als das Leid höchster Gattung erscheinen lassen