Der Entsagende. — Was thut der Entsagende?Er strebt nach einer höheren AVelt, er will weiter undferner und höher fliegen als alle Menschen der Be-jahung, — er wirft Vieles weg, was seinen Flug be-schweren würde, und Manches darunter, was ihm nichtunwerth, nicht unliebsam ist: er opfert es seiner Be-gierde zur Höhe. Dieses Opfern, dieses Wegwerfen istnun gerade Das, was allein sichtbar an ihm wird: dar-nach giebt man ihm den Namen des Entsagenden, undals Dieser steht er vor uns, eingehüllt in seine Kapuzeund wie die Seele eines härenen Hemdes. Mit diesemEffecte, den er auf uns macht, ist er aber wohl zufrie-den: er will vor uns seine Begierde, seinen Stolz, seineAbsicht, über uns hinauszufliegen, verborgen halten. —Ja! Er ist klüger, als wir dachten, und so höflich gegenuns — dieser Bejahende! Denn das ist er gleich uns,auch indem er entsagt.
28.
Mit seinem Besten schaden. — Unsre Stärkentreiben uns mitunter so weit vor, dass wir unsreSchwächen nicht mehr aushalten können und an ihnenzu Grunde gehen: wir sehen auch wohl diesen Ausgangvoraus und wollen es trotzdem nicht anders. Da werdenwir hart gegen Das an uns, was geschont sein will,und unsre Grösse ist auch unsre Unbarmherzigkeit. —Ein solches Erlebniss, das wir zuletzt mit dem Lebenbezahlen müssen, ist ein Gleichniss für das gesammteWirken grosser Menschen auf Andre und auf ihre Zeit:— gerade mit ihrem Besten, mit dem, was nur Siekönnen, richten sie viele Schwache, Unsichere, Werdende,