Druckschrift 
Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
Seite
55
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Male gesagt haben, sind wir so unvernünftig und sodankbar gegen ihn gestimmt, dass wir glauben, er, derGeber dieses Reizes, müsse selber das Reizvollste derGegend sein und so steigen wir auf ihn hinauf undsind enttäuscht. Plötzlich ist er selber, und die ganzeLandschaft um uns,'unter uns, wie entzaubert; wir hattenvergessen, dass manche Grösse, wie manche Güte, nurauf eine gewisse Distanz hin gesehn werden will, unddurchaus von unten, nicht von oben, so allein wirktsie. Vielleicht kennst du Menschen in deiner Nähe,die sich selber nur aus einer gewissen Ferne ansehendürfen, um sich überhaupt erträglich oder anziehendund kraftgebend zu finden; die Selbsterkenntniss istihnen zu widerrathen.

16.

Über den Steg. Im Verkehre mit Personen,welche gegen ihre Gefühle schamhaft sind, muss mansich verstellen können; sie empfinden einen plötzlichenHass gegen Den, welcher sie auf einem zärtlichen oderschwärmerischen und hochgehenden Gefühle ertappt,wie als ob er ihre Heimlichkeiten gesehn habe. Willman ihnen in solchen Augenblicken wohl thun, so macheman sie lachen oder sage irgend eine kalte scherzhafteBosheit: ihr Gefühl erfriert dabei, und sie sind ihrerwieder mächtig. Doch ich gebe die Moral vor derGeschichte. Wir sind uns Einmal im Leben so nahegewesen, dass Nichts unsre Freund- und Bruderschaftmehr zu hemmen schien und nur noch ein kleiner Stegzwischen uns war. Indem du ihn eben betreten wolltest,fragte ich dich:willst du zu mir über den Steg?Aber da wolltest du nicht mehr; und als ich nochmalsbat, schwiegst du. Seitdem sind Berge und reissende