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Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
Seite
38
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eine Schamröthe, wenn du merken lässest, dass diese Ge-wichte nicht vollwichtig sind, es macht auch keineEmpörung gegen dich: vielleicht lacht man über deinenZweifel. Ich will sagen: die Allermeisten finden esnicht verächtlich, diess oder jenes zu glauben und dar-nach zu leben, ohne sich vorher der letzten und sicher-sten Gründe für und wider bewusst worden zu sein undohne sich auch nur die Mühe um solche Gründe hinter-drein zu geben, die begabtesten Männer und dieedelsten Frauen gehören noch zu diesenAllermeisten.Was ist mir aber Gutherzigkeit, Feinheit und Genie,wenn der Mensch dieser Tugenden schlaffe Gefühle imGlauben und Urtheilen bei sich duldet, wenn das Ver-langen nach Gewissheit ihm nicht als die innersteBegierde und tiefste Noth gilt, als Das, was diehöheren Menschen von den niederen scheidet! Ich fandbei gewissen Frommen einen Hass gegen die Vernunftvor und war ihnen gut dafür: so verrieth sich dochwenigstens noch das böse intellectuale Gewissen! Aberinmitten dieser rerum concordict discors und der ganzenwundervollen Ungewissheit und Vieldeutigkeit des Da-seins stehen und nicht fragen, nicht zittern'vor Be-gierde und Lust des Fragens, nicht einmal den Fragendenhassen, vielleicht gar noch an ihm sich matt ergötzendas ist es, was ich als verächtlich empfinde, und dieseEmpfindung ist es, nach der ich zuerst bei Jedermannsuche: irgend eine Narrheit überredet mich immerwieder, jeder Mensch habe diese Empfindung, als Mensch.Es ist meine Art von Ungerechtigkeit.

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Edel und Gemein. Den gemeinen Naturen er-scheinen alle edlen, grossmüthigen Gefühle als unzweck-

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