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4 : Abth. 1, Bd. 4 (1895) Morgenröthe
Entstehung
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171.

Die Ernährung des modernen Menschen.Er versteht Vieles, ja fast Alles zu verdauen, es ist'seine Art Ehrgeiz: aber er würde höherer Ordnung sein,wenn er diess gerade nicht verstünde; homo famfihagusist nicht die feinste Species. Wir leben zwischen einerVergangenheit, die einen verrückteren und eigensinnigerenGeschmack hatte als wir, und einer Zukunft, die viel-leicht einen gewählteren haben wird, wir leben zusehr in der Mitte.

172.

Tragödie und Musik. Männer in einer kriege-rischen Grundverfassung des Gemüths, wie zum Beispieldie Griechen in der Zeit des Äschylus, sind schwer zurühren, und wenn das Mitleiden einmal über ihre Härtesiegt, so ergreift es sie wie ein Taumel und gleich einerdämonischen Gewalt, sie fühlen sich dann unfrei undvon einem religiösen Schauder erregt. Hinterher habensie ihre Bedenken gegen diesen Zustand; so lange sie inihm sind, gemessen sie das Entzücken des Ausser-sich-seins und des Wunderbaren, gemischt mit dem bitterstenWermuth des Leidens: es ist das so recht ein Getränkfür Krieger, etwas Seltenes, Gefährliches und Bittersüsses,das Einem nicht leicht zu Theil wird. An Seelen, dieso das Mitleiden empfinden, wendet sich die Tragödie,an harte und kriegerische Seelen, welche man schwerbesiegt, sei es durch Furcht, sei es durch Mitleid, wel-chen es aber nütze ist, von Zeit zu Zeit erweicht zuwerden: aber was soll die Tragödie Denen, welche densympathischen Affectionen offen stehen wie die Segelden Winden! Als die Athener weicher und empfind-