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4 : Abth. 1, Bd. 4 (1895) Morgenröthe
Entstehung
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Ein Vorbild. Was liebe ich an Thukydides,was macht, dass ich ihn höher ehre als Plato? Er hatdie umfänglichste und unbefangenste Freude an allemTypischen des Menschen und der Ereignisse und findet,dass zu jedem Typus ein Quantum guter Vernunftgehört: diese sucht er zu entdecken. Er hat einegrössere praktische Gerechtigkeit als Plato; er ist keinVerlästerer und Verkleinerer der Menschen, die ihm nichtgefallen oder die ihm im Leben wehe gethan haben.Im Gegentheil: er sieht etwas Grosses in alle Dinge undPersonen hinein und zu ihnen hinzu, indem er nur Typensieht; was hätte auch die ganze Nachwelt, der er seinWerk weiht, mit dem zu schaffen, was nicht typischwäre! So kommt in ihm, dem Menschen-Denker, jeneCultur der unbefangensten Weltkenntniss zueinem letzten herrlichen Ausblühen, welche in So-phokles ihren Dichter, in Perikies ihren Staatsmann, inHippokrates ihren Arzt, in Demokrit ihren Naturforscherhatte: jene Cultur, welche auf den Namen ihrer Lehrer,der Sophisten, getauft zu werden verdient und leidervon diesem Augenblicke der Taufe an uns auf einmalblass und unfassbar zu werden beginnt, denn nun arg-wöhnen wir, es müsse eine sehr unsittliche Cultur gewesensein, gegen welche ein Plato mit allen sokratischen Schu-len kämpfte! Die Wahrheit ist hier so verzwickt undverhäkelt, dass es Widerwillen macht, sie aufzudröseln: solaufe der alte Irrthum {error veritate simplicior ) seinenalten Weg!