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4 : Abth. 1, Bd. 4 (1895) Morgenröthe
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Angeblich höher! Ihr sagt, die Moral desMitleidens sei eine höhere Moral als die des Stoicismus?Beweist es! aber bemerkt, dass überhöher undnie-driger in der Moral nicht wiederum nach moralischenEllen abzumessen ist: denn es giebt keine absolute Moral.Nehmt also die Maassstäbe anders woher und nunseht euch vor!

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Loben und Tadeln. Läuft ein Krieg unglück-lich aus, so frägt man nach Dem, derSchuld amKriege sei; geht er siegreich zu Ende, so preist manseinen Urheber. Die Schuld wird überall gesucht, wo einMisserfolg ist; denn dieser bringt eine Verstimmung mitsich, gegen welche das einzige Heilmittel unwillkürlichangewendet wird: eine neue Erregung des MaMitge-fühls und diese findet sich in der VerurtheilungdesSchuldigen. Dieser Schuldige ist nicht etwa derSündenbock der Schuld Anderer: er ist das Opfer derSchwachen, Gedemüthigten, Herabgestimmten, welche ir-gend woran sich beweisen wollen, dass sie noch Stärkehaben. Auch sich selber verurtheilen kann ein Mittelsein, nach einer Niederlage sich zum Gefühl der Stärkezu verhelfen. Dagegen ist die Verherrlichung des Ur-hebers oftmals das ebenso blinde Ergebniss eines an-deren Triebes, der sein Opfer -haben will, und diess-mal riecht das Opfer dem Opferthiere selber süss undeinladend: wenn nämlich das Gefühl der Macht ineinem Volke, in einer Gesellschaft durch einen grossenund bezaubernden Erfolg überfüllt ist, und eine Ermü-dung am Siege eintritt, so giebt man von seinem