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4 : Abth. 1, Bd. 4 (1895) Morgenröthe
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Das Zärtlicherwerden. Wenn wir Jemandenlieben, ehren, bewundern und nun, hinterher, finden, dasser leidet, immer mit grossem Erstaunen, weil wirnicht anders denken, als dass unser von ihm herströmendesGlück aus einem überreichen Borne eigenen Glückeskomme, so ändert sich unser Gefühl der Liebe, Ver-ehrung und Bewunderung in etwas Wesentlichem:es wird zärtlicher, das heisst: die Kluft zwischen ihmund uns scheint sich zu überbrücken, eine Annäherungan Gleichheit scheint Statt zu finden. Jetzt erst gilt esuns als möglich, ihm zu rück geben zu können, währender früher über unserer Dankbarkeit erhaben in unsererVorstellung lebte. Es macht uns dieses Zurückgeben-können eine grosse Freude und Erhebung. Wir suchenzu errathen, was seinen Schmerz lindert, und geben ihmdiess; will er tröstliche Worte, Blicke, Aufmerksamkeiten,Dienste, Geschenke, wir geben es; vor Allem aber:will er uns leidend über sein Leid, so geben wir unsals leidend, haben aber bei alledem den Genuss derthätigen Dankbarkeit: als welche, kurz gesagt, diegute Rache ist. Will und nimmt er gar Nichts vonuns an, so gehen wir erkältet und traurig-, fast gekränktfort: es ist, als ob unsere Dankbarkeit zurückgewiesenwürde, und in diesem Ehrenpunkte ist der Gütigstenoch kitzlich. Aus dem Allen folgt, dass, selbst fürden günstigsten Fall, im Leiden etwas Erniedrigendesund im Mitleiden etwas Erhöhendes und Überlegenheit-Gebendes liegt; was beide Empfindungen auf ewig voneinander trennt.