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da ist man aller Tugend bar. Mitleid-gewähren heisst soviel wie Verachten: ein verächtliches Wesen will mannicht leiden sehen, es gewährt diess keinen Genuss. Da-gegen einen Feind leiden zu sehen, den man als eben-bürtig-stolz anerkennt und der unter Martern seinen Stolznicht preisgiebt, und überhaupt jedes AVesen, welches sichnicht zum Mitleid-Anrufen, das heisst zur schmählichstenund tiefsten Demiithigung verstehen will, — das ist einGenuss der Genüsse, dabei erhebt sich die Seele desWilden zur Bewunderung: er tödtet zuletzt einensolchen Tapferen, wenn er es in der Hand hat, und giebtihm, dem Ungebrochenen, seine letzte Ehre: hätteer gejammert, den Ausdruck des kalten Hohnes aus demGesichte verloren, hätte er sich verächtlich gezeigt, —nun, so hätte er leben bleiben dürfen, wie ein Hund, —er hätte den Stolz des Zuschauenden nicht mehr gereiztund an Stelle der Bewunderung wäre Mitleiden getreten.
136.
Das Glück im Mitleiden. — Wenn man, wie dieInder, als Ziel der ganzen intellectuellen Thätigkeit dieErkenntniss des menschlichen Elends aufstellt unddurch viele Geschlechter des Geistes hindurch einemsolchen entsetzlichen Vorsatze treu bleibt: so bekommtendlich, im Auge solcher Menschen des erblichenPessimismus, das Mitleiden einen neuen Werth, alslebenerhaltende Macht, um das Dasein doch auszu-halten, ob es gleich werth erscheint, vor Ekel und Grausenweggeworfen zu werden. Mitleiden wird das Gegen-mittel gegen den Selbstmord, als .eine Empfindung, welcheLust enthält und Überlegenheit in kleinen Dosen zu kostengiebt: es zieht von uns ab, macht das Herz voll, ver-