sondern eben eigenthümliches Glück zu erlangen. Ent-wickelung will nicht Glück, sondern Entwickelung undweiter Nichts. — Nur wenn die Menschheit ein allgemeinanerkanntes Ziel hätte, könnte man vorschlagen „sound so soll gehandelt werden“: einstweilen giebt eskein solches Ziel. Also soll man die Forderungen derMoral nicht in Beziehung zur Menschheit setzen, es istdiess Unvernunft und Spielerei. — Der Menschheit einZiel anempfehlen ist etwas ganz Anderes: dann istdas Ziel als Etwas gedacht, das in unserem Beliebenist; gesetzt, es beliebte der Menschheit so wie vorge-schlagen wird, so könnte sie sich daraufhin auch einMoralgesetz geben, ebenfalls aus ihrem Belieben heraus.Aber bisher sollte das Moralgesetz über dem Beliebenstehen: man wollte diess Gesetz sich nicht eigentlichgeben, sondern es irgendwoher nehmen oder irgend-wo es auffinden oder irgendwoher es sich befehlenlassen.
109.
Selbst-Beherrschung und Mässigung und ihrletztes Motiv. — Ich finde nicht mehr als sechswesentlich verschiedene Methoden, um die Heftigkeiteines Triebes zu bekämpfen. Einmal kann man den An-lässen zur Befriedigung des Triebes ausweichen unddurch lange und immer längere Zeitstrecken der Nicht-befriedigung ihn schwächen und abdorren machen. So-dann kann man eine strenge regelmässige Ordnung inseiner Befriedigung sich zum Gesetz machen; indem manin ihn selber auf diese Weise eine Regel bringt undseine Fluth und Ebbe in feste Zeitgränzen einschliesst,hat man Zwischenzeiten gewonnen, wo er nicht mehrstört, — und von da aus kann man vielleicht zur ersten