3 es Alchymisten gegeben hat, welche an diese Voraus-
*' Setzungen glaubten und auf sie hin handelten. — Ich
.3 leugne auch die Unsittlichkeit: nicht, dass zahllose Men-
schen sich unsittlich fühlen, sondern dass es einenGrund in der Wahrheit giebt, sich so zu fühlen. Ichleugne nicht, wie sich von selber versteht — vorausge-setzt, dass ich kein Narr bin —, dass viele Handlungen,welche unsittlich heissen,' zu vermeiden und zu bekämpfensind; ebenfalls, dass viele, die sittlich heissen, zu thunund zu fördern sind, — aber ich meine: das Eine wiedas Andere aus anderen Gründen als bisher. Wirhaben umzulernen, — um endlich, vielleicht sehrspät, noch mehr zu erreichen: umzufühlen.
104.
Unsere Werth schätz ungen. — Alle Hand-lungen gehen auf Werthschätzungen zurück, alle Werth-schätzungen sind entweder eigene oder angenom-mene, — letztere bei weitem die meisten. Warumnehmen wir sie an? Aus Furcht, — das heisst: wirhalten es für rathsamer, uns so zu stellen, als ob sieauch die unsrigen wären — und gewöhnen uns an dieseVerstellung, sodass sie zuletzt unsere Natur ist. EigeneWerthschätzung: das will besagen, eine Sache in Bezugdarauf messen, wie weit sie gerade uns und niemandemAnderen Lust oder Unlust macht, — etwas äusserstSeltenes! — Aber wenigstens muss doch unsre Werth-schätzung des Anderen, in der das Motiv dafür liegt,dass wir uns in den meisten Fällen seiner Werth-schätzung bedienen, von uns ausgehen, unsere eigeneBestimmung sein? Ja, aber als Kinder machen wir sieund lernen selten wieder um; wir sind meist zeitlebens