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bärmliche, gelegentliche, oft zufällige Relation einesAnderen zu uns als sein Wesen und Wesentlichstesauszudichten und zu behaupten, er sei gegen alle Weltund gegen sich selber eben nur solcher Relationen fähig,dergleichen wir ein- oder einigemal erlebt haben? Undsitzt hinter dieser wahren Narrheit nicht noch der unbe-scheidenste aller Hintergedanken, dass wir selber dasPrincip des Guten sein müssen, weil sich Gutes undBöses nach uns bemisst? —
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Es giebt zwei Arten von Leugnern derSittlichkeit. — „Die Sittlichkeit leugnen“ — das kanneinmal heissen: leugnen, dass die sittlichen Motive,welche die Menschen angeben, wirklich sie zu ihrenHandlungen getrieben haben, — es ist also die Behaup-tung, dass die Sittlichkeit in Worten bestehe und zurgroben und feinen Betrügerei (namentlich Selbstbetrügerei)der Menschen gehöre, und vielleicht gerade bei dendurch Tugend Berühmtesten am meisten. Sodann kannes heissen: leugnen, dass die sittlichen Urtheile aufWahrheiten beruhen. Hier wird zugegeben, dass sieMotive des Handelns wirklich sind, dass aber auf dieseWeise Irrthümer, als Grund alles sittlichen Urtheilens,die Menschen zu ihren moralischen Handlungen treiben.Dies ist mein Gesichtspunkt: doch möchte ich am wenig-sten verkennen, dass in sehr vielen Fällen ein feinesMisstrauen nach Art des ersten Gesichtspunktes, also imGeiste des La Rochefoucauld, auch im Rechte und jeden-falls vom höchsten allgemeinen Nutzen ist. — Ich leugnealso die Sittlichkeit wie ich die Alchymie leugne, dasheisst, ich leugne ihre Voraussetzungen: nicht aber, dass
Nietzsche, Werke Band IV. 'j