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die Narren kindlicher angewöhnter Urtheile, in der Art,wie wir über unsre Nächsten (deren Geist, Rang, Morali-tät, Vorbildlichkeit, Verwerflichkeit) urtheilen und esnöthig finden, vor ihren Werthschätzungen zu huldigen.
105.
Der Schein-Egoismus. — Die Allermeisten, wassie auch immer von ihrem „Egoismus“ denken und sagenmögen, thun trotzdem ihr Lebenlang Nichts für ihr ego,sondern nur für das Phantom von ego, welches sich inden Köpfen ihrer Umgebung über sie gebildet und sichihnen mitgetheilt hat; — in Folge dessen leben sie Allezusammen in einem Nebel von unpersönlichen, halb-persönlichen Meinungen und willkürlichen, gleichsamdichterischen Werthschätzungen, Einer immer im Kopfedes Andern, und dieser Kopf wieder in anderen Köpfen:eine wunderliche Welt der Phantasmen, welche sich da-bei einen so nüchternen Anschein zu geben weiss!Dieser Nebel von Meinungen und Gewöhnungen wächstund lebt fast unabhängig von den Menschen, die er ein-hüllt; in ihm liegt die ungeheure Wirkung allgemeinerUrtheile über „den Menschen“ — alle diese sich selberunbekannten Menschen glauben an das blutlose Ab-stractum „Mensch“, das heisst, an eine Fiction; und jedeVeränderung, die mit diesem Abstractum vorgenommenwird, durch die Urtheile einzelner Mächtiger (wie Fürstenund Philosophen), wirkt ausserordentlich und in unver-nünftigem Maasse auf die grosse Mehrzahl, — Alles ausdem Grunde, dass jeder Einzelne in dieser Mehrzahl keinwirkliches, ihm zugängliches und von ihm ergründetesego der allgemeinen blassen Fiction entgegenzustellenund sie damit zu vernichten vermag.