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4 : Abth. 1, Bd. 4 (1895) Morgenröthe
Entstehung
Seite
96
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glaubt: edle und weise Menschen glauben noch immeran diesittliche Bedeutung des Daseins. Aber einesTages wird auch diese Sphärenmusik ihrem Ohre nichtmehr vernehmbar sein! Sie erwachen und merken, dassihr Ohr geträumt hatte.

IOI.

Bedenklich. Einen Glauben annehmen, blos weiler Sitte ist, das heisst doch: unredlich sein, feige sein,faul sein! Und so wären Unredlichkeit, Feigheit undFaulheit die Voraussetzung der Sittlichkeit?

102.

Die ältesten moralischen Urtheile. Wiemachen wir es doch bei der Handlung eines Menschenin unsrer Nähe? Zunächst sehen wir darauf hin, wasaus ihr für uns herauskommt, wir sehen sie nur unterdiesem Gesichtspunkt. Diese Wirkung nehmen wir alsdie Absicht der Handlung und endlich legen wirihm das Haben solcher Absichten als dauernde Eigen-schaft bei und nennen ihn zum Beispiel von nun aneinen schädlichen Menschen. Dreifache Irrung! Drei-facher uralter Fehlgriff! Vielleicht unsre Erbschaft vonden Thieren und ihrer Urtheilskraft her! Ist nicht derUrsprung aller Moral in den abscheulichen kleinenSchlüssen zu suchen:was mir schadet, das ist etwasBöses (an sich Schädigendes); was mir nützt, das ist et-was Gutes (an sich Wohl thuendes und Nutzenbringendes);was mir einmal oder einigemale schadet, das ist dasFeindliche an sich und in sich; was mir einmal odereinigemale nützt, das ist das Freundliche an sich undin sich. O pudenda origo! Heisst das nicht: die er-