Druckschrift 
4 : Abth. 1, Bd. 4 (1895) Morgenröthe
Entstehung
Seite
40
Einzelbild herunterladen
 

40

sehr sind sie mit Wahn und Unsinn verquickt. Nichtdass sie es an sich oder für immer sein müssten: abergewiss wird von allen allmählichen Reinigungen,welche der Menschheit bevorstehen, die Reinigung derhöheren Gefühle eine der allmählichsten sein.

34 -

Moralische Gefühle und moralische Begriffe.Ersichtlich werden moralische Gefühle so übertragen,dass die Kinder bei den Erwachsenen starke Neigungenund Abneigungen gegen bestimmte Handlungen wahr-nehmen und dass sie als geborene Affen diese Neigungenund Abneigungen nachmachen; im späteren Leben,wo sie sich voll von diesen angelernten und wohlge-übten Affecten finden, halten sie ein nachträglichesWarum, eine Art Begründung-, dass jene Neigungenund Abneigungen berechtigt sind, für eine Sache desAnstandes. DieseBegründungen aber haben wedermit der Herkunft, noch dem Grade des Gefühls beiihnen Etwas zu thun: man findet sich eben nur mit derRegel ab, dass man als vernünftiges Wesen Gründefür sein Für und Wider haben müsse, und zwar angeb-bare und annehmbare Gründe. Insofern ist die Ge-schichte der moralischen Gefühle eine ganz andere alsdie' Geschichte der moralischen Begriffe. Erstere sindmächtig vor der Handlung, letztere namentlich nachder Handlung, Angesichts der Nöthigung, sich über sieauszusprechen.

35 -

Gefühle und deren Abkunft von Urtheilen.Vertraue deinem Gefühle! Aber Gefühle sind nichts