oder dass neue Gebräuche erfunden werden müssen, umeine neue dämonische Gewalt und Laune zu beschwich-tigen. Diese Art Argwohn und Nachdenken geht somitgerade der Ergründung der wahren natürlichen Ursachenaus dem Wege, sie nimmt die dämonische Ursache alsdie Voraussetzung. Hier ist die eine Quelle der erb-lichen Verkehrtheit des menschlichen Intellects: und dieandere Quelle entspringt daneben, indem man ebensogrundsätzlich den wahren natürlichen Folgen einerHandlung ein viel geringeres Augenmerk schenkte, alsden übernatürlichen (den sogenannten Strafen und Gnadender Gottheit). Es sind zum Beispiel bestimmte Bäderfür bestimmte Zeiten vorgeschrieben: man badet, nichtum rein zu werden, sondern weil es vorgeschrieben ist.Man lernt nicht die wirklichen Folgen der Unreinlichkeitfliehen, sondern das vermeintliche Missfallen der Götteran der Versäumniss eines Bades. Unter dem Druckeabergläubischer Angst argwöhnt man, es müsse sehrviel mehr mit diesem Abwaschen der Unreinlichkeit aufsich haben, man legt zweite und dritte Bedeutungenhinein, man verdirbt sich den Sinn und die Lust amWirklichen und hält dies zuletzt, nur insofern esSymbol sein kann,' noch für werthvoll. So verachtetder Mensch im Banne der Sittlichkeit der Sitte erstensdie Ursachen, zweitens die Folgen, drittens die Wirklich-keit, und spinnt alle seine höheren Empfindungen (derEhrfurcht, der Erhabenheit, des Stolzes, der Dankbarkeit,der Liebe) an eine eingebildete Welt an: diesogenannte höhere Welt. Und noch jetzt sehen wir dieFolge: wo das Gefühl eines Menschen sich erhebt, daist irgendwie jene eingebildete Welt im Spiel. Es isttraurig: aber einstweilen müssen dem wissenschaftlichenMenschen alle höheren Gefühle verdächtig sein, so
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