hierin der Mensch mit der delicatesten Goldwage auf-nehmen kann. Es ist sein stärkster Hang geworden; dieMittel, welche man entdeckte, sich dieses Gefühl zuschaffen, sind beinahe die Geschichte der Cultur.
24.
Der Beweis einer Vorschrift. — Im Allgemei-nen wird die Güte oder Schlechtigkeit einer Vorschrift,zum Beispiel der, Brod zu backen, so bewiesen, dass dasin ihr versprochene Resultat sich ergiebt oder nichtergiebt, vorausgesetzt, dass sie genau ausgeführt wird.Anders steht es jetzt mit den moralischen Vorschriften:denn hier sind gerade die Resultate nicht zu übersehen,oder deutbar und unbestimmt. Diese Vorschriften ruhenauf Hypothesen von dem allergeringsten wissenschaft-lichen Werthe, deren Beweis und deren Widerlegungaus den Resultaten im Grunde gleich unmöglich ist: —aber einstmals, bei der ursprünglichen Rohheit allerWissenschaft und den geringen Ansprüchen, die manmachte, um ein Ding für erwiesen zu nehmen, — einst-mals wurde die Güte oder .Schlechtigkeit einer Vor-schrift der Sitte ebenso festgestellt wie jetzt die jederanderen Vorschrift: durch Hinweisung auf den Erfolg.Wenn bei den Eingeborenen in Russisch-Amerika dieVorschrift gilt: du sollst keinen Thierknochen in’s Feuerwerfen oder den Hunden geben, — so wird sie so be-wiesen: „thue es und du wirst kein Glück auf der Jagdhaben.“ Nun aber hat man in irgend einem Sinne fastimmer „kein Glück auf der Jagd“; es ist nicht leichtmöglich, die Güte der Vorschrift auf diesem Wege zuwiderlegen, namentlich wenn eine Gemeinde und nichtein Einzelner als Träger der Strafe gilt; vielmehr wird