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4 : Abth. 1, Bd. 4 (1895) Morgenröthe
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einen guten Sinn und Werth habe. Allmählich formtdie Sitte in der Gemeinde eine Praxis gemäss dieserVorstellung: man wird bei allem ausschweifenden Wohl-befinden von nun an misstrauischer und bei allen schwe-ren schmerzhaften Zuständen zuversichtlicher; man sagtsich: es mögen wohl die Götter ungnädig wegen desGlücks und gnädig wegen unseres Leidens auf unssehen, nicht etwa mitleidig! Denn das Mitleiden giltals verächtlich und einer starken, furchtbaren Seele un-würdig; aber gnädig, weil sie dadurch ergötzt undguter Dinge werden: denn der Grausame geniesst denhöchsten Kitzel des Machtgefühls. So kommt in denBegriff dessittlichsten Menschen der Gemeinde dieTugend des häufigen Leidens, der Entbehrung, der har-ten Lebensweise, der grausamen Kasteiung, nicht, umes wieder und wieder zu sagen, als Mittel der Zucht, der.Selbstbeherrschung, des Verlangens nach individuellemGlück, sondern als eine Tugend, welche der Gemeindebei den bösen Göttern einen guten Geruch macht undwie ein beständiges Versöhnungsopfer auf dem Altärezu ihnen empordampft. Alle jene geistigen Führer derVölker, welche in dem trägen fruchtbaren Schlammihrer Sitten Etwas zu bewegen vermochten, haben ausserdem Wahnsinn auch die freiwillige Marter nöthig gehabt,um Glauben zu finden und zumeist und zuerst, wieimmer, den Glauben an sich selber! Je mehr gerade ihrGeist auf neuen Bahnen gieng und folglich von Ge-wissensbissen und Ängsten gequält wurde, um so grau-samer wütlieten sie geg'en das eigene Fleisch, das eigeneGelüste und die eigene Gesundheit, wie um der Gott-heit einen Ersatz an Lust zu bieten, wenn sie vielleichtum der vernachlässigten und bekämpften Gebräuche undder neuen Ziele willen erbittert sein sollte. Glaube man