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4 : Abth. 1, Bd. 4 (1895) Morgenröthe
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nicht zu schnell, dass wir jetzt von einer solchen Logikdes Gefühls uns völlig befreit hätten! Die heldenhaftestenSeelen mögen sich darüber mit sich befragen. Jederkleinste Schritt auf dem Felde des freien Denkens, despersönlich gestalteten Lebens ist von jeher mit geistigenund körperlichen Martern erstritten worden: nicht nurdas Vorwärts-Schreiten, nein! vor Allem das Schreiten,die Bewegung, die Veränderung hat ihre unzähligenMärtyrer nöthig gehabt, durch die langen pfadsuchendenund grundlegenden Jahrtausende hindurch, an welcheman freilich nicht denkt, wenn man, wie gewohnt, vonWeltgeschichte, von diesem lächerlich kleinen Aus-schnitt des menschlichen Daseins redet; und selbst indieser sogenannten Weltgeschichte, welche im Grundeein Lärm um die letzten Neuigkeiten ist, giebt es keineigentlich wichtigeres Thema als die uralte Tragödievon den Märtyrern, die den Sumpf bewegen woll-ten. Nichts ist tlieurer erkauft als das Wenige vonmenschlicher Vernunft und vom Gefühle der Freiheit,welches jetzt unseren Stolz ausmacht. Dieser Stolz aberist' es, dessentwegen es uns jetzt fast unmöglich wird,mit jenen ungeheuren Zeitstrecken derSittlichkeit derSitte zu empfinden, welche derWeltgeschichte voraus-liegen , als die wirkliche und entscheidendeHauptgeschichte, welche den Charakter derMenschheit festgestellt hat: wo das Leiden alsTugend, die Grausamkeit als Tugend, die Verstellungals- Tugend, die Rache als Tugend, die Verleugnungder Vernunft als Tugend, dagegen das Wohlbefindenals Gefahr, die Wissbegier als Gefahr, der Friede alsGefahr, das Mitleiden als Gefahr, das Bemitleidetwerdenals Schimpf, die Arbeit als Schimpf, der Wahnsinn alsGöttlichkeit, die Veränderung als das Unsittliche und