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4 : Abth. 1, Bd. 4 (1895) Morgenröthe
Entstehung
Seite
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heute noch immer wieder nahe gelegt wird, dass demGenie, anstatt eines Kornes Salz, ein Korn Wahnwurzbeigegeben ist, lag allen früheren Menschen der Gedankeviel näher, dass überall, wo es Wahnsinn giebt, es auchein Korn Genie und Weisheit gäbe, etwasGöttliches,wie man sich zuflüsterte. Oder vielmehr: man drücktesich kräftig genug aus.Durch den Wahnsinn sind diegrössten Güter über Griechenland gekommen, sagtePlato mit der ganzen alten Menschheit. Gehen wir nocheinen Schritt weiter: allen jenen überlegenen Menschen,welche es unwiderstehlich dahin zog, das Joch irgendeiner Sittlichkeit zu brechen und neue Gesetze zu geben,blieb, wenn sie nicht wirklich wahnsinnig waren,Nichts übrig, als sich wahnsinnig zu machen oder zustellen und zwar gilt diess für die Neuerer auf allenGebieten, nicht nur auf dem der priesterlichen undpolitischen Satzung: selbst der Neuerer des poetischenMetrums musste durch den Wahnsinn sich beglaubigen.(Bis in viel mildere Zeiten hinein verblieb daraus denDichtern eine gewisse Convention des Wahnsinns: aufwelche zum Beispiel Solon zurückgriff, als er die Athenerzur Wiedereroberung von Salamis aufstachelte.)Wiemacht man sich wahnsinnig, wenn man es nicht istund nicht wagt, es zu scheinen? diesem entsetzlichenGedankengange haben fast alle bedeutenden Menschender älteren Civilisation nachgehangen ; eine geheimeLehre von Kunstgriffen und diätetischen Winken pflanztesich darüber fort, nebst dem Gefühle der Unschuld, jaHeiligkeit eines solchen Nachsinnens und Vorhabens.Die Recepte, um bei den Indianern ein Medicinmann,bei den Christen des Mittelalters ein Heiliger, bei denGrönländern ein Angeleok, bei den Brasilianern ein Pajezu werden, sind im Wesentlichen die selben: unsinniges