39 °
163.
(Vgl. Jenseits, Aph. 229.)
Wenn man erst den Willen zum Leiden hat, so istes nur ein Schritt, um auch den Willen zur Grausamkeitzu haben, — und zwar sowohl als Recht wie als Pflicht.
164.
Durch den guten Willen zu helfen, mitzuleiden, sich zuunterwerfen, persönliche Ansprüche aufzugeben, werdenauch die unbedeutenden und oberflächlichen Menschennützlich und für das Auge etwas Erträgliches. Man sollihnen ja nicht ausreden, dieser Wille sei „die Tugend selber“.
165.
Die schönsten Farben, in denen die Tugenden leuchten,sind die Erfindung derer, welche ihrer ermangelten. Wo-her stammt zum Beispiel der sammtene Glanz der Güteund des Mitleids? — Gewiss nicht von den Guten undMitleidigen.
166.
(Vgl. Zarathustra, Theil I, vom Biss der Natter.)
Jedem das Seine geben: das wäre die Gerechtigkeitwollen und das Chaos erreichen.
167.
(Vgl. Bd. XI, Nachträge zur Morgenröthe, Aph. 454.)
Dass „ein thörichtes Weib mit Güte des Herzenshoch über dem Genie steht“, das klingt sehr artig —im Munde des Genies. Es ist seine Höflichkeit, — es istauch seine Klugheit.