auch deshalb noch sterben. Ja, wir wollen Aufweckerund Arzte sein, doch so, dass die Aufgeweckten nichtwieder einschlafen müssen, und die Geheilten nicht ander Heilung zu Grunde gehn.
142.
Nein, dazu bin ich nicht gemacht, das Gewissen derMenschen noch zu beschweren! Ich will, dass sie ihresGlückes mehr Acht haben, „aller der hundert Quellen,selbst in der Wüste“, wie ein deutscher Dichter sagt. —Und dass sie selber von ihrem Unglücke, Unvermögenund Untugenden besser denken als bisher, — sie nützendamit ebenfalls, und wahrscheinlich sogar liegen daihre eignen Ltist- und Glücks- und Kraft- und Tugend-bedingungen.
143 -
(Vgl. Fröhliche "Wissenschaft, Aph. 337.)
Im Alterthum hatte jeder höhere Mensch die Begierdenach dem Ruhme, — das kam daher, dass jeder mit sichdie Menschheit anzufangen glaubte und sich genügendeBreite und Dauer nur so zu geben wusste, dass er sichin alle Nachwelt hinein dachte, als mitspielender Tragödeder ewigen Bühne. Mein Stolz dagegen ist: „ich habeeine Herkunft“, — deshalb brauche ich den Ruhm nicht.In dem, was Zarathustra Moses Muhamed Jesus PlatoBrutus Spinoza Mirabeau bewegte, lebe ich auch schon,und in manchen Dingen kommt in mir erst reif an’s Tages-licht, was embryonisch ein paar Jahrtausende brauchte.Wir sind die ersten Aristokraten in der Geschichte desGeistes, — der historische Sinn beginnt erst jetzt.