186
Rang zu geben! Liebe ist comes, bei Vernunft und Ge-rechtigkeit, sie ist die Freude an der Sache, Lust anihrem Besitz, Begierde sie ganz zu besitzen und in ihrerganzen Schönheit, — die ästhetische Seite der Gerech-tigkeit und Vernunft, ein Nebentrieb.
Nachdem wir Vernunft und Gerechtigkeit haben,müssen wir die Leitern zerbrechen, die dazu führten;es ist die traurige Pflicht, dass diese höchsten Ergebnisseuns zwingen, gleichsam die Eltern und Voreltern vor Gerichtzu laden. Gegen die Vergangenheit gerecht sein,sie wissen wollen, in aller Liebe! Hier wird unsreVornehmheit auf die höchste Probe gestellt! Ich merkees, wer mit rachsüchtigem Hange vom Christenthum redet,— das ist gemein.
140.
(Vgl. Bd. XI, Nachträge zur Morgenröthe, Aph. 159.)
Erster Satz meiner Moral: man soll keine Zuständeerstreben, weder sein Glück, noch seine Ruhe, noch seineHerrschaft über sich. Der Zustand soll immer nur comes,nie dux virtutis sein! Warum? — Auch nicht „dasIdeal“, — sondern jede kleine und grosse Handlungso erhaben und schön wie möglich und auch sichtbar aus-führen! Die Art und Weise soll uns unterscheiden!
141.
Wir wollen es nicht machen wie Wagner’s Wotan,der mit ungeheurer Wichtigkeit die alte Erda aus ihremSchlafe weckt, um ihr zu sagen, dass sie weiter schlafenkönne, — und auch nicht wie Wagner’s Parsifal: einArzt, der zwar seine Patientin heilt, doch so, dass diesegleich nach der Heilung stirbt, — und zwar mit rück-wirkender Kraft: denn irgend ein alter Grossvater muss