Druckschrift 
12 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 4 (1897) Schriften und Entwürfe 1881 - 1885 : Die Wiederkunft des Gleichen; Nachträge zur "Fröhlichen Wissenschaft"; Vorarbeiten und Nachträge zu "Also sprach Zarathustra"; Bruchstücke zu den Liedern Zarathustra's; Gedicht-Fragmente; Böse Weisheit: Aphorismen und Sprüche
Entstehung
Seite
188
Einzelbild herunterladen
 

188

144 -

(Vgl. Moi'genröthe, Aph. 535.)

Meine Gedanken betreffen zu hohe und feine Dinge, siekönnten nur wirken, wenn der stärkste persönliche Druckhinzukäme. Vielleicht wird der Glaube an meine Auto-rität erst durch Jahrhunderte so stark, um die Menschenzu vermögen, ohne Beschämung, das Buch dieser Auto-rität so streng und ernst zu interpretiren wie einen altenClassiker (zum Beispiel Aristoteles). Der Glaube anden Menschen muss wachsen, damit sein Werk nurden nöthigen Grad von entgegenkommender Intelligenzfindet: der Glaube also und das Vorurtheil. Deshalb be-stand man ehemals so aufInspiration: jetzt

145 -

Wo finden wir, wir Einsamsten der Einsamendenn das werden wir sicher einmal sein, durch dieNachwirkung der Wissenschaft, wo finden wir einenGenossen für den Menschen! Ehedem suchtenwir einen König, einen Vater, einen Richter für alles,weil es uns an rechten Königen, rechten Vätern,rechten Richtern mangelte. Nachmals werden wir denFreund suchen: die Menschen werden selbsteigneHerrlichkeiten und Sonnenkreise geworden sein, abereinsam. Der mythenbildende Trieb geht dann aus nachdem Freunde.

146.

(Vgl. Bd. XI, Nachträge zur Morgenrötke, Aph. 145.)

Im kleinen und erbärmlichen Leben klingen trotz-dem die Accorde des grossen Lebens vergangenerMenschen hindurch: jede Werthschätzung hat in

grossen Bewegungen einzelner Seelen ihre Herkunft.