i6o
62.
„Deus nudus est“ sagt Seneca. Ich fürchte, ersteckt ganz in Kleidern! Und noch mehr: Kleidermachen nicht nur Leute, sondern auch Götter.
63-
(Vgl. Nachträge zur Geburt der Tragödie, Bd. IN, S. 170 fl.; Bd. NI,Nachträge zur Morgenröthe, Aph. 231.)
Ehemals dachte ich, unser Dasein sei der künstle-rische Traum eines Gottes, alle unsere Gedanken undEmpfindungen im Grunde seine Empfindungen im Aus-dichten seines Dramas, — auch dass wir meinten, „ichdächte“ „ich handelte“, sei sein Gedanke. Die Gesetz-mässigkeit der Natur wäre als Gesetzmässigkeit seinerVorstellungen begreiflich, — oder auch, es genügte,dass er uns als solche dächte, welche die Natur so em-pfinden, wie wir sie empfinden. — Kein glücklicher,aber ein Künstler-Gott!
64.
(Vgl. Wanderer, Aph. 7.)
Die würdigste Vorstellung von den Göttern hattendie Epikuräer. Wie könnte das Unbedingte irgend etwasmit dem Bedingten zu schaffen haben? Wie könnte esdessen Ursache oder dessen Gesetz oder dessen Gerech-tigkeit oder dessen Liebe und Vorsehung sein! „Wennes Götter giebt, so kümmern sie sich nicht um uns“, —dies ist der einzige wahre Satz aller Religions-Philo-sophie.
65-
Wir Ästhetiker höchsten Ranges möchten auch dieVerbrechen und das Laster und die Qualen der Seeleund die Irrthümer nicht missen, — und eine Gesellschaft