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10.
(Vgl. Morgenröthe, Aph. 20; Bd. XI, Nachträge z. Morgenröthe, Aph. 544;
Fröhliche Wissenschaft, Aph. 267.)
An einem klugen, rücksichtslosen Spitzbuben undVerbrecher tadeln wir nicht seinen Egoismus als solchen,der sich auf die feinste Weise äussert, sondern dass diesersich auf so niedere Ziele richtet und auf sie be-schränkt. Sind die Ziele gross, so hat die Menschheiteinen andern Maassstab und schätzt „Verbrechen“ nichtals solche, selbst die furchtbarsten Mittel. — Das Ekel-hafte ist, ein guter Intellect im Dienste erbärmlicher An-spruchslosigkeit, — wir ekeln uns vor der Art ego, nichtan sich vor dem ego .
11.
Ehemals bewies man die Lehre von der Unfreiheitdes Willens, indem man unbedenklich auf die Wahr-sager hinwies, welche auch noch bei den skeptischenPhilosophen einen guten Glauben fanden: die Kunst derWahrsagerei aber setzt eine Welt voraus, welche nichtsals Fatum ist, und folglich fand diese Welt ebenfalls einenguten Glauben. Als aber die Wahrsager in Misscreditkamen, kam mit ihnen auch die Lehre von der Unfrei-heit des Willens in Misscredit: gewiss eine falsche Artzu schliessen, welche üblicher ist als die rechte Art.
12.
Unsere Gesetze sind Versuche, aus Papier den weisenMann zu machen, der allen Umständen gewachsen ist,und dessen Gerechtigkeit so gross ist wie seine Uner-schrockenheit; — ach, wo ist das ehrfurchterweckendeGesicht des Gesetzgebers hin, welcher mehr bedeutenmuss als das Gesetz, nämlich den Wunsch, es aus Liebeund Ehrfurcht heilig zu halten?